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Traditionelle Koizucht in Japan PDF Drucken E-Mail

Die Koizucht ist für den Japaner mehr als ein Hobby, sie ist eine echte Leidenschaft, ja manchmal sogar eine Lebensaufgabe, der er sich mit völliger Hingabe verschrieben hat. Ein japanischer Koizüchter steckt all seine Energie in die Zucht dieser Tiere.

Es ist nicht gerade einfach, diese hochwertigen Koi Fische zu züchten und daher auch nicht verwunderlich, dass sie entsprechend teuer sind. Koi brauchen ganz besondere Lebensbedingungen, um so prächtig zu gedeihen und ihre ganze Schönheit zu entfalten.

Schon seit Jahrhunderten ist in Japan das „Unternehmen Koizucht“ bekannt und sehr weit verbreitet – die Zuchtbetriebe setzen alles daran, sich gegenseitig im Hervorbringen besonders schöner Exemplare zu übertreffen. Sie alle wollen das Wunder vollbringen, attraktive, widerstandsfähige und gesunde Koi in großer Zahl zu züchten.

Hat man die erforderlichen Bedingungen, dann laichen Koi im Frühsommer oder späten Frühling. Ziel des Züchters ist es, eine bestimmte Population oder Koi-Varietät mit gleich bleibendem Ergebnis zu vermehren, so wie es auch bei allen anderen uns bekannten Züchtungen der Fall ist und z.B. bei Hunden oder Pferden, auch angestrebt wird. Mit genügend Ausdauer, den richtigen Klimabedingungen und ein wenig Glück kann man dann nach einigen Jahren eine reinrassige Linie vorweisen. In dieser Gruppe sollten sich dann idealerweise fast perfekte männliche und weibliche Koi Karpfen  befinden, die erneut zusammengebracht werden, um dann wieder perfekte Nachkommen zu bilden. Das ganze ist also ein sehr komplizierter Prozess.

 
Koizucht in Japan PDF Drucken E-Mail

Japan gilt als die Wiege der Koizucht, aber heute sind Zuchtanlagen nach japanischem Vorbild auf der ganzen Welt verbreitet, auch in Israel, USA und natürlich in Europa. In Japan findet man bestimmte Regionen, die sich ganz besonders gut für die Koi Zucht eignen. Sie sind als Zuchtgebiete ebenso bekannt wie ihre berühmtern Züchter, die ein ausgezeichnetes Image haben. Dazu gehört die Provinz Niigata, doch auch in Hiroshima, Toyama und Kyushu ist das Züchten von Koi verbreitet. In Niigata leben die berühmtesten Züchter, denen überall auf der Welt nachgeeifert wird.

An de Spitze der Koi-Zucht-Berühmtheiten stehen die Züchter Shinoda, Kawasawe, Sakai, Ogata und Dainichi. Heutzutage kann man Koizucht getrost als Wissenschaft bezeichnen und die bekannten Züchter haben ihr Fach studiert. Teichwirtschaft, Genetik und Methoden der Zucht werden in diesem Studiengang gelehrt. Das führt zusammen mit der überlieferten Tradition zu einem ungeheuren Wissen der Züchter. So ist es nicht verwunderlich, das  bei den Japanern zwangsläufig bemerkenswerte Zuchtergebnisse bestaunt werden können.

Es gibt auch in Japan viele Züchter, die Eier kaufen, um sie dann in ihren eigenen Teichen aufzuziehen. Das wird gerne gesehen, denn die prominenten Züchter haben meist viel zu wenig Platz für die Aufzucht aller Koi.

Die Teiche werden im Winter leer gefischt und stehen erst ab Mai für die Wachstumsperiode zur Verfügung. Für die Überwinterung werden die Koi in Teiche gebracht, die in Gebäuden ähnlich wie Treibhäuser untergebracht sind.

Die Winterquartiere liegen nahe bei den Wohnhäusern der Züchter. Tategoi,

eine besonders widerstandsfähige Art, wird so vermehrt. Diese berühmten „Schlammteiche“ und die Koizucht sind ohne einander nicht denkbar.

In ihnen wachsen Jungfische und die Tategoi zusammen auf.

Die Teiche liegen an Hängen nahe von Reisfeldern und dienten früher der Bewässerung der Felder. Aber heute ist die Koizucht wesentlich lukrativer als Reisanbau und viele ehemalige Reisbauern befassen sich damit.

Wie alle landwirtschaftlichen Großbetriebe ist auch die Zucht von Koi deutlich mechanisiert. Die Teiche werden maschinell ausgehoben und der Boden festgestampft, damit er wasserundurchlässig wird. Das erleichtert später das Einfangen der Koi. Die Teiche selbst können unglaublich groß sein, manchmal

Bis zu 60 m2 und 3m tief. Das hängt immer von der jeweiligen Koiart ab.

In einem Teich können sich dann sage und schreibe 15000 Tiere tummeln –

das bedeutet, der Bestand muss bis zu 4mal jährlich ausgedünnt werden.

Japans Sommer sind heiß und die Teiche müssen gut belüftet werden.

Das gelingt, indem man Sauerstoff mit großen Pumpen quasi unter die Wasseroberfläche „schaufelt“. Der Teich wird so mit Sauerstoff angereichert.

Die einzige Bedrohung neben dem Menschen und einer Tierseuche ist der Fischreiher. Und wie überall auf der Welt stellt man auch in Japan Vogelscheuchen auf, um ihn von den kostbaren Tieren fern zu halten.

 

 
Wie die Teiche vorbereitet werden PDF Drucken E-Mail

Im Frühjahr werden die Teiche zum Trocknen völlig geleert. Dann reichert man den Schlamm mit Kalk an, der Ungeziefer abtötet und den pH-Wert des weichen Wassers anhebt. Zusätzlich werden Mineralien und Phosphate zugeführt, dann stampft man den Boden wieder fest.

Kurz vor dem Ablaichen führen die Züchter Hühnerdung hinzu. So werden Millionen von Einzellern gebildet, die die Brut als Nahrung braucht. Sie ist auch bei den Tategoi beliebt. Gleichzeitig werden auch die Ablaichteiche vorbereitet, die sich ebenfalls im Gewächshaus Koi Teich befinden. Das beginnt mit einer gründlichen Reinigung und dem Füllen der Filter mit Muschelkalk. So wird auch dort der pH-Wert des Wassers angehoben. Anschließend werden die Becken mit dem gleichen Wasser gefüllt wie die Außenbecken. Und nun trennt man die Zuchttiere, Oyagoi genannt, nach ihrem Geschlecht.

 
Vorgang der Laichvorbereitung PDF Drucken E-Mail

Für das Ablaichen im Mai müssen die Teiche mit Netzen gesichert werden, damit sich die Fische nicht verletzen.

Zur Anregung des ganzen Vorgangs wird ein Ablaich-Medium auf den Boden des Netzes gelegt. Für die Zucht verwendet man über 5 Jahre alte Weibchen und mindestens 4jährige Männchen, weil jüngere Tiere nicht genug Eier bzw. Sperma erzeugen, um die Zucht lukrativ zu machen.

Man bringt zur Vermehrung immer ein Weibchen mit drei Männchen zusammen. Schon nach 2 Tagen laichen die Tiere ab. Das Weibchen legt seine Eier in das Medium und anschließend werden diese vom Männchen besamt. Idealerweise sollte das Wasser eine Temperatur von 17°C haben. Der ganze Prozess dauert etwa 5 – 9 Stunden und ein Weibchen kann dabei bis zu 400 000 Eier ablegen. Ein Züchter überwacht genauestens den ganzen Vorgang und achtet streng darauf, dass sich das weibliche Tier nicht verletzt.

Nach dem Ablaichen werden die Weibchen in andere Teiche gebracht, um sich

zu erholen und um das Fressen des Laichs zu verhindern.

Nun wird der Koiteich mit der Brut behandelt. Eine Malachitgrün-Lösung soll die Infektion mit Saprolegnia, einem gefährlichen Eipilz, auch Fischschimmel genannt, verhindern. Auch wird das Wasser ständig auf Sauerstoff-, Nitrit- und Ammoniakgehalt überprüft. Weiterhin wird das Wasser ständig belüftet.

Und nach 3 – 5 Tagen sind endlich die Larven geschlüpft.

 
Entwicklung der Larven PDF Drucken E-Mail

Die Larven sehen eigentümlich aus, wie kleine Glasteilchen, mit Augen und einem Dottersack für Nahrung versehen. Schon am ersten Tag können sie frei schwimmen, ihre Farbe ist blassgelb und sie sind etwa 7mm lang. Sobald sie zwecks Futtersuche zu springen beginnen, werden sie wieder in andere Teiche gebracht. Hier können sie den Sommer über bleiben.

Nach einigen Wochen beginnen die Züchter, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen.

Mit feinen Netzen wird vorsichtig nach missgebildeten, zu kleinen oder nach Fischen mit blassen und unerwünschten Farben gesucht. Diese werden entfernt und den akzeptierten Rest behält man. Im Juli, wenn die Brut schon über 2cm groß ist, findet erneut eine Auslese statt. Hierbei reduziert sich die Anzahl wieder um die Hälfte. Jetzt wird die Nahrung mit Trockenfutter angereichert, das man in Behältern rings um den Teich aufschwemmt. Danach werden Pellets gefüttert.

Ende Oktober sind die Koi schon 10 cm lang und die Züchter fischen die Teiche völlig ab. Für eine weitere Aufzucht in den Innenteichen werden nur die allerbesten Tosai-Koi verwendet. Etwa 30% der Fische werden getötet oder

per Auktion versteigert. Solche Tiere kann man dann in Taiwan oder Thailand

als „Japan-Koi“ wieder finden. Das komplizierte Auswahlverfahren, in dem die Koi vier Stufen durchlaufen müssen, macht den Fisch so kostbar und teuer.

 
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